Samstag, 2. Februar 2013

Warum Patriotismus meine Sache niemals sein kann.




Natürlich ging ich auch in die Schule – immerhin 14 lange Jahre. Natürlich glaubte ich lange Zeit all diese Gemeinplätze, die mir dort eingetrichtert wurden:

·         Dieses Land ist Dein Vaterland.
·         Du musst Deine Heimat lieben
·         Du kannst nur eine Heimat haben.
·         Nirgendwo ist es schöner als zuhause.
·         Du musst auf Deine Heimat stolz sein.
·         Deine Heimat hat so viele weltberühmte Genies hervorgebracht.
·         Von den Grenzen geht Gefahr aus.
·         Du musst bereit sein, für die Heimat Opfer zu bringen.

Diese Liste ließe sich noch beliebig erweitern. Aber je mehr ich nachzudenken begann, umso mehr machten sich auch die Zweifel breit. Gerade mit einem slowenisch-, kroatisch-, italienisch- und ungarischen Stammbaum hatten wir viele Verwandte, die jenseits der Grenzen lebten und die wir auch regelmäßig besuchten. Warum sollte ich mich also von diesen bedroht fühlen?
Damals in den 70er Jahren gab es in Europa nur 2 Staaten, wo man nicht zwangsweise zum Militär einrücken musste. Diese waren Großbritannien und Irland. Früh reifte daher in mir der Entschluss, nach dem Ende der Schulzeit nach England zu ziehen. Wozu hatte ich denn in der Schule 9 Jahre Englisch gelernt?
Aber erst mit dem Staatsbürgerkundeunterricht in der Schule wurde mir bewusst, daß man mit einem Umzug nach England noch lange kein Engländer wird. Zwar lernten wir, daß ein Staatsvolk aus allen Menschen besteht, die im Staatsgebiet ihren ständigen Aufenthalt haben, aber nicht alle Angehörigen des Staatsvolkes die gleichen Rechte hätten. Denn darüber hinaus gibt es eben noch die Staatsbürgerschaft, die man nicht einfach durch Wohnsitzverlegung wechseln kann, sondern man sie quasi wie eine Fußfessel überallhin mitnehmen muß.
Da ich mir über den Sinn dieser Regelung meine Gedanken machte, gelangte ich nach längerer Zeit zur Erkenntnis, daß dieser nur darin bestehen könne, die Menschen am Gängelband zu halten indem man:

·         einen erheblichen Teil des Staatsvolkes von den Wahlurnen fernhält und
·         über die Inhaber der Staatsbürgerschaft auch außerhalb der Staatsgrenzen Kontrolle ausübt, wenn diese regelmäßig die Konsulate besuchen müssen um ihre Personaldokumente erneuern zu lassen, solange sie nicht von einem anderen Staat welche bekommen können.

Da ich selbst keine Möglichkeit hatte, an diesem Zustand etwas zu ändern, war mir klar, daß der Nationalstaat nichts anderes ist als ein Konstrukt, daß dazu dient, die Menschen auch über die Landesgrenzen hinaus in seiner Abhängigkeit zu halten. Ob ich nun wollte oder nicht – ich musste mich damit arrangieren.
Wie berühmt und bedeutungsvoll diese Heimat nun tatsächlich ist, erfuhr ich auf meiner ersten Fernreise. Damals im Winter 1973/74 folg ich noch mit meinen Eltern über Neujahr nach Bangkok. Es war nicht nur meine erste Flugreise sondern auch die erste Reise zu einem fernen Kontinent. Und Flugzeuge, die diese Strecke non stop fliegen konnten gab es  damals noch nicht. Daher hatten wir eine Zwischenlandung im pakistanischen Karachi. Vor der Landung sagte die Flugbegleiterin (damals nannte man sie noch Stewardessen) über den Bordlautsprecher durch, daß hier aufgrund einer lokalen Vorschrift das Fotografieren verboten sei. Ich war neugierig, ob dies nur für den Flughafen oder für das gesamte Land galt, aber eine diesbezügliche Frage wurde mir nicht beantwortet. Aber es war auch dunkle Nacht und was hätte man denn da auch schon fotografieren sollen.
Nun landeten wir also in Karachi und mussten das Flugzeug verlassen, während es aufgetankt wurde. Direktes Andocken am Terminal war zur damaligen Zeit noch an sehr wenigen Flughäfen möglich, daher stand vor dem Flugzeug ein Bus, der die Passagiere zum Transitraum brachte. Dieser war nichts weiter als eine Betonhalle am Rande des Flugfeldes, wo es Getränke und zollfreie Zigarette zu kaufen gab. Und das Tor, durch welches wir diese Halle betreten hatten blieb während des gesamten Aufenthaltes offen, wodurch es auch möglich war, sich im Freien ein wenig die Beine zu vertreten (was in der heutigen Zeit wohl undenkbar ist). Und so hatte ich auch die Gelegenheit, mit einem Flughafenarbeiter ein paar Worte zu wechseln.
Woher ich denn komme, fragte er interessiert. „Austria“ antwortete ich. „Australia“ sagte er und nickte freundlich. „No“ erwiderte ich: „Vienna!“. „Vietnam?“ wollte er sich vergewissern. „No“ sagte ich wiederum: „I am from Europe“. Nun schien er verstanden zu haben und fragte:
„England?“
„No“
„Germany?“
„No“
“France?”
“No”
“Austria” sagte ich nochmals.
„Australia?“
Nun gab ich die Konversation auf und mit einem Mal wurde mir klar, daß mindestens 90% der Menschheit gar nicht wissen, wo Österreich überhaupt liegt.
Durch diese Erfahrung eröffnete sich für mich zwangsläufig die Frage, warum ich eigentlich dieses Land lieben und vielleicht sogar noch ein Glaubensbekenntnis darauf ablegen sollte?

Ja, es gibt schöne Landschaften in diesem Land, aber gibt es solche anderswo etwa nicht?
Ja, es gibt schöne Kulturdenkmäler in diesem Land, aber gibt es solche anderswo etwa nicht?
Ja, es gibt freundliche Menschen hier, aber gibt es solche anderswo etwa nicht?
Ja, ich habe ein paar Freunde hier, aber kann ich diese anderswo nicht auch haben?
Ja, leider gibt es hier auch sehr viele intolerante Menschen, aber auch solche gibt es auch anderswo.
Ja, es gibt auch jedes Jahr einen lange andauernden kalten Winter. Den gibt es anderswo zwar auch, aber es existieren viele schöne Weltgegenden, wo es einen solchen nicht gibt und ich gerne dorthin ins klimatische Asyl gehe.
Bin ich eigentlich mit dem Boden verwurzelt, oder habe ich nicht vielmehr von der Natur 2 Beine bekommen um mich damit bewegen und meinen Standort verändern zu können?

Conclusio:
Es ergibt nicht den geringsten Sinn, warum man „Patriot“ sein sollte. Vaterländer sind ein Übel, das mittelfristig überwunden werden muss (und davon nehme ich auch Österreich nicht aus).
Und die Ablegung eines „Fahneneides“ steht meiner inneren Überzeugung diametral entgegen. Niemand darf zur Ablegung eines solchen genötigt werden. Glaubens- und Gewissensfreiheit sind immerhin Teil der europäischen Menschenrechtskonvention und der Grundrechtscharta der Europäischen Union. Wer die Ablegung eines derartigen Eides verweigert, sollte sich unbedingt auf diese Rechte berufen.


Donnerstag, 31. Januar 2013

Jetzt wissen wir ......................

................ warum am 20. Jänner 60% der Österreicher eine falsche Entscheidung getroffen haben, aber dennoch glauben, sie wären auf dem richtigen Wege.


Freitag, 25. Januar 2013

Welche Mehrheit darf entscheiden?

Alle Exilösterreicher schütteln den Kopf und fragen sich, wie so eine Entscheidung im heutigen Europa noch möglich ist und warum Europa einer solch bedenklichen Fehlentwicklung nicht Einhalt gebietet. 
Was sind nun die Fakten? 
Die Mehrheit der Wiener sprach sich gegen die Wehrpflicht aus. Warum sind dann künftighin die Wiener nicht von der Wehrpflicht befreit?? 
Die Antwort lautet: Weil die Bundesmehrheit die Wiener Mehrheit ausgestochen hat. 
Logisch weitergedacht heißt dies: 93% der Europäer haben die Wehrpflicht bereits abgeschafft. 
Warum also kann die österreichische Mehrheit dann nicht mittels der europäischen Mehrheit ausgestochen werden? 
Mein Sohn wäre sicher dankbar dafür.


Samstag, 22. Dezember 2012

Ich bin ich oder wir sind wir? Wer sind die wahren Egoisten?

Ich sage es ganz offen: Ich bin ein Egoist!
Ich habe meinen Selbsterhaltungstrieb, will leben, gut essen und trinken, die Welt bereisen und vieles andere, was mir Freude bereitet.
Und als toleranter Mensch gestehe ich natürlich alle Rechte, die ich für mich beanspruche auch anderen zu.
Fußballspiele oder Skirennen oder andere sportlichen Wettbewerbe interessieren mich z. B. nicht und so etwas ansehen zu müssen wäre für mich verlorene Zeit, die ich besser zu nutzen weiß. Aber niemals käme ich auf die Idee, zu verlangen, daß andere dies nicht dürften, weil es für mich klar ist, daß die Menschen unterschiedlich sind und folgerichtig unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse haben.
Gerade weil ich ein Egoist bin, habe ich kein Problem damit, auch anderen Menschen ihren Egoismus zuzugestehen. Meine Freiheit hört erst dort auf, wo die Freiheit Anderer beginnt, aber keinen Zentimeter davor. So wie ich es mir nicht anmaße, über andere Menschen und deren Selbstbestimmungsrecht zu verfügen, erwarte ich mir zu recht, daß andere mein Selbstbestimmungsrecht respektieren.

Aber welche Intention steht eigentlich hinter all jenen, die Ihre Sätze immer gerne mit dem Wort "Wir" einleiten?

"Wir Katholiken wollen .................." sagt der Papst gerne. Wen meint er denn damit? Warum sagt er denn nicht "Ich, Papst Josef Ratzinger will .........................."?

"Wir Österreicher wollen nicht .........................." ist ein häufig einleitend gebrauchter Satz von verschiedenen  populistischen Politikern und Kommentatoren in Krawallmedien.
Wenn  meinen  die eigentlich, wenn sie das Wort "Wir" im Munde führen? Habe ich diese Leute denn ermächtigt, in  meinem Namen zu sprechen?
In Wahrheit drücken diese etwas ganz anderes aus und zwar:
Was ich will, das haben alle zu wollen. Und wer widerspricht, wird dann schnell zum Egoisten, Nestbeschmutzer oder im äußersten Fall sogar zum "Verräter" abgestempelt.
Das Wort "Wir" verwenden sie nur als Schutzschild um ihre eigene Egozentrik ungefragt auf andere projizieren zu können, indem sie vorgeben, im Namen vieler zu sprechen. Und mit dieser Methode werden alle, die nicht gewillt sind, sich unterzuordnen zu Egoisten abgestempelt.

Conclusio:
Gruppenegoismus wird von jenen bestimmt, die von sich auf andere schließen.
Einzelegoismus dagegen respektiert auch die Egoismen der anderen.


Donnerstag, 18. Oktober 2012

Vielfalt entsteht nicht durch Trennlinien


Wir wissen es längst: Europa ist wirtschaftlich ein Riese aber politisch ein Zwerg. Und in einer Welt der Riesen müssen sich die Zwerge nach den Wünschen der Riesen richten. Dennoch gibt es viele, die das nicht wahrhaben wollen. Die Zukunft Europas ist zu einem regelrechten Glaubenskrieg geworden. Je mehr die Krise ein baldiges Ende der europäischen Nationen, die als Hauptverursacher derselben sich ohnehin schon lange überlebt haben, erzwingt, umso mehr rüsten deren Gegner (vorerst nur verbal) auf um diese bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen. Folgt man den Auseinandersetzungen, die um diese Sache geführt werden, bekommt man schon fast den Eindruck, es stehen sich in dieser Frage bereits zwei unversöhnliche Lager gegenüber. Die Absurdität an dieser Sache ist jedoch, daß beide Lager vorgeben, die europäische Vielfalt bewahren zu wollen. Unterzieht man deren Argumente einer kritischen Betrachtung kann man sehr bald erkennen, daß diese beiden Lager sehr divergierende Auffassungen darüber haben, was Vielfalt sein soll. Für überzeugte Europäer ist ein Abbau aller Trennlinien die Grundvoraussetzung, daß eine Vielfalt überhaupt entstehen kann, welche dann so aussieht:        







DAS EUROPA DER VIELFALT





                                                                                                   

DAS EUROPA DER NATIONALISTEN














Nationalisten dagegen glauben, eine Vielfalt bestünde aus abgegrenzten Monokulturen, zwischen denen es möglichst keine Gemeinsamkeiten und Überschneidungen geben dürfe.Aus der Forstwirtschaft wissen wir aus den Fehlern der Vergangenheit, die nicht zufällig in jener Zeit gemacht wurden, als man in der Schaffung abgegrenzter Nationen die Lösung aller Probleme zu sehen glaubte, daß die Monokulturen zu große Problemen, wie Windbruchanfälligkeit und Borkenkäferanfälligkeit etc. führten und heute wieder der gesunde Mischwald favorisiert wird. Diese Lehre muss auch für Europa gezogen werden. Vielfalt kann nur durch Mischung entstehen!

Freitag, 12. Oktober 2012

Eine Entscheidung mit Weitblick.


Ich kann mich noch gut erinnern, wie empört meine Großmutter einst war als Willy Brandt den Nobelpreis bekam. Und böse Zeitungskommentare gab's auch jede Menge. Einer davon lautete: "Ich glaube an Willy Brandt ......................... ......... von dannen er kommen wird, zu errichten die Volksrepublik Ostdeutschland für ein ewiges Leben hinter dem eisernen Vorhang. Amen" Heute sind alle osteuropäischen Volksrepubliken auf dem Abfallhaufen der Geschichte entsorgt. Und in 30 Jahren wird auch niemand mehr eine Träne vergießen, wenn die europäischen Nationalstaaten ebenfalls auf der Müllkippe entsorgt sein werden. Conclusio: Damals wie heute eine zukunftsweisende Entscheidung. Leider gab und gibt es immer zu wenig Leute, die über ihre Zeit hinaus denken.